Behandlungen

Behandlungsablauf

Aufnahmegespräch und Diagnostik

Das Aufnahmegespräch kann telefonisch zumeist kurzfristig vereinbart werden. Es kann in Groß Glienicke/Potsdam oder in Berlin stattfinden. Der Aufnahmefragebogen von InThera kann zuvor zugesandt, oder vor Ort ausgefüllt werden. Das Aufnahmegespräch wird mit dem fachärztlichen Diagnosegespräch verbunden, an das sich in manchen Fällen ein weiteres Gespräch zu einem zweiten Zeitpunkt anschließt. Angehörige sind zum Aufnahmegespräch eingeladen, ihre Mitarbeit kann die Behandlung wesentlich voran bringen. Liegt eine Behandlungsindikation für InThera vor, so sollte die Behandlung ambulant oder (teil)stationär zeitnah beginnen.

 

Ambulante Therapie

Jeder Patient gehört zu einer festen Bezugsgruppe, die sich im ersten Halbjahr der ambulanten Behandlung 1x wöchentlich zu einem feststehenden Termin für die Gruppenpsychotherapie trifft ( z.B. Di. 8.30-10.00 / Do. 17.00-18.30 etc.). Vor und nach der Gruppentherapie werden Einzeltherapiegespräche vereinbart, anfangs in der Regel 14-tägig. Diese können mit dem Bezugstherapeuten auch zu anderen Wochenzeiten verabredet werden. Jeder Bezugstherapeut bietet ambulante Therapie sowohl in Potsdam (Groß Glienicke), wie auch in Berlin (Kreuzberg oder Wedding) an, sodass möglichst kurze Wege zur Therapie entstehen. Ab dem zweiten Halbjahr findet die Gruppenpsychotherapie alle 14 Tage statt, die Einzelsitzungen werden weiter dem Bedarf angepasst.
Ist eine Intensivtherapie mit kombinierter Begleittherapie indiziert und bewilligt, so nimmt der Patient zusätzlich an der Körperpsychotherapie, der Musik- oder Kunsttherapie teil. Die Häufigkeit soll den individuellen Erfordernissen entsprechen, das kann anfangs wöchentlich sein.

 

Außerdem gibt es spezielle indikationsspezifische Behandlungsformate:

 

  • bei depressiven Symptomen ist der Behandlungsschwerpunkt die Selbstannahme mit Veränderungen am Selbstbild, z. B. durch Körperübungen zur Selbstwahrnehmung.
  • bei psychosomatischen Beschwerden und somatoformen Schmerzstörungen steht eine Kombination aus Körperpsychotherapie und Akupressurbehandlung (Jin Shin Do) im Vordergrund der Behandlung.
  • bei reaktiven Anpassungsstörungen mit starken Konfliktspannungen ist eine systemische Therapie (Familientherapie) unter wechselndem Einbezug der Angehörigen, neben der tiefenpsychologischen Bearbeitung der Konflikte, vorgesehen.
  • bei traumatischen Erfahrungen ist eine körpertherapeutische Traumatherapie nach Berceli (TRE) oder eine EMDR Therapie (Augenbewegungstherapie), in Kombination mit tiefenpsychologischer Aufarbeitung und kreativem Ausdruck, indiziert.
  • bei Essstörungen wird ein spezielles Programm mit Familienaufstellungen, Angehörigenseminaren, Rollenspielen, Körperselbstwahrnehmung und tiefenpsychologischer Konfliktbearbeitung durchgeführt.
  • bei Persönlichkeitsstörungen, wie z.B. der Borderlinestörung, führen wir eine standardisierte Intervalltherapie durch: 3 stationäre Intervalle (3 Wo./ 2Wo./ 1 Wo.) wechseln mit 3 ambulanten Behandlungsintervallen (4 Wo./ 6 Wo./ 10 Wo.) ab. Die ambulanten Intervalle sind therapeutische Erprobungs- und Umsetzungsphasen von den persönlichen Vorhaben der Patienten, die sie im stationären Intervall zuvor entwickelt haben. Damit ist die Intervalltherapie auf ein halbes Jahr angelegt. Sie findet auch als Bezugstherapie mit einer Kombination aus Gruppen- und Einzeltherapie statt.

Teilstationäre und stationäre Behandlung

Eine (teil)stationäre Behandlungsvoraussetzung für InThera liegt vor,

 

  • wenn sich die Alltagsstruktur des Patienten aufgelöst hat und er alle wichtigen Erfordernisse nicht mehr leisten kann (z.B. Selbstvernachlässigung) oder
  • wenn eine ambulante Behandlung nicht mehr ausreichend ist oder
  • wenn ein verstärkter therapeutischer Schutzraum notwendig wird oder
  • zur Unterbrechung krankmachender Muster ein Abstand von Zuhause benötigt wird.

Bei selbstgefährdenden Patienten ist die Absprachefähigkeit Vorraussetzung für die Aufnahme.

Wir bilden feste Therapiegruppen, deren Zusammensetzung über die Behandlungszeit weitgehend stabil bleibt, um ein gutes Gruppen- und Vertrauensklima entwickeln zu können. Nach einer kurzen Wartezeit kann eine neue Behandlungsgruppe starten, die in der Regel auf 3 Wochen (teil)stationäre Behandlung angelegt ist und danach, zur ambulanten Behandlung, zusammenbleiben kann. Einzelne Gruppenmitglieder können früher in die ambulante Nachbehandlung wechseln.
Menschen in akuten Krisen können auf InThera-Krisenplätze direkt aufgenommen und behandelt werden und steigen von dort aus in den nächsten Gruppendurchgang ein.

 

Ziel ist es, durch eine multimodale Intensivbehandlung

 

  • die auslösenden Konflikte und Schwierigkeiten bewältigen zu lernen,
  • die Beziehungs- und Auseinandersetzungsfähigkeit zu stärken,
  • das Selbstvertrauen und die Alltagsselbstständigkeit soweit wieder herzustellen, dass ein rascher Wechsel in die ambulante Weiterbehandlung erfolgen kann.

Behandlungsplan für eine Woche:

 

Behandlungsbeispiele:

(sie sind aus der Praxis auf InThera übertragen)

 

Frau Müller

(Name geändert)

 

Vorgeschichte
Frau Müller ist 32 Jahre alt, verheiratet und lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern (1,5 und 5 Jahre) in Potsdam.
Als sie nach der einjährigen Erziehungszeit ihres zweiten Kindes wieder in ihren Beruf einsteigen will, entwickelt sie nach wenigen Wochen eine Angststörung mit Panikattacken und sozialer Phobie. Vorausgegangen war eine depressive Symptomatik mit vermindertem Antrieb, verzagter Stimmungslage, sowie sozialem Rückzug.
Nach einer Woche Krankschreibung kommt es zu Hause zu einem emotionalen Zusammenbruch und ihr Hausarzt überweist Fr. Müller zu InThera.

 

Diagnose und Behandlungsablauf
Wir stellen eine mittelschwere depressive Episode und eine Angststörung fest.
Die Behandlung beginnt als tagestherapeutische Behandlung, wochentags von 8-16 Uhr, weil Fr. Müller nach 16.00 Uhr und an den Wochenenden bei ihrer Familie sein kann und sie gleichzeitig  durch die tägliche Intensivtherapie den notwendigen emotionalen Halt erhält. Neben der Psychotherapie stellt sich bei Frau Müller die Musiktherapie, insbesondere das Singen, als heilsame und integrierende Erfahrung heraus. Drei Partnergespräche, zusammen mit ihrem Mann, helfen die Konflikte des zurückliegenden Jahres anders verstehen zu können und erste Ansätze für einen veränderten Umgang im Familienleben zu erarbeiten.
Bereits nach 3 Wochen geht die tagestherapeutische Behandlung in eine ambulante Intensivtherapie bei InThera über. Fr. Müller geht weiter zu dem gleichen Bezugstherapeuten in die Gruppen- und Einzeltherapie auf dem Potsdamer Gelände. Dort werden auch die Paargespräche alle drei Wochen fortgesetzt. Fr. Müller nutzt die Musiktherapie über 2 Monate wöchentlich und entwickelt dabei „eine kräftige Stimme“.
Die Symptomatik ist nach 2 Monaten soweit gebessert, dass der Wiedereinstieg ins Berufsleben vorbereitet und realisiert werden kann. Ihre ambulante Psychotherapiegruppe besucht Fr. Müller insgesamt ein 3⁄4 Jahr, dann verabschiedet sie sich von den Mitpatienten und dem Therapeuten. Ihr Selbstvertrauen ist gestärkt. Zwei Nachgespräche, jeweils nach einem Vierteljahr, dienen der nachträglichen Bewertung/Einordnung der Geschehnisse, der Festigung der positiven Entwicklung und der Prophylaxe.

 

Frau Bach

(Name geändert)

 

Vorgeschichte
Frau Bach hat von ihrem behandelnden Arzt eine Überweisung in eine stationäre Behandlung, nachdem sie erneut eine schwere Depression mit selbstverletzenden Zügen entwickelt hat. Sie ist 44 Jahre alt und lebt alleine, seitdem ihr 20 jähriger Sohn vor 2 Jahren ausgezogen ist. Von seinem Vater lebt Frau Bach seit vielen Jahren getrennt, nach der Trennung fand sie zu keinem ihrer Partner eine engere Beziehung. Ihr Berufsleben wird zum Lebensmittelpunkt, aber auch dort fühlt sie sich häufig schlecht behandelt. Ein kritisches Gespräch seitens ihres Vorgesetzten löst die erneute Krise aus.

 

Diagnose und Beandlung
Frau Bach wendet sich an InThera und kann nach der Eingangsuntersuchung auf einen freien Krisenplatz direkt aufgenommen werden. Sie leidet an einer schweren depressiven Episode einer rezidivierenden (wiederholt auftretenden) Depression mit Selbstverletzungen. Nach den ersten 10 Tagen Krisenintervention, mit täglichen Einzelgesprächen, medikamentöser Behandlung und kunsttherapeutischem Ausdruck ihrer Aggressionen, können Vereinbarungen zu einem selbstschützendem Verhalten entwickelt werden. Frau Bach ist jetzt soweit stabil, dass sie den nächsten (teil)stationären Gruppentherapiedurchgang mitmacht. Sie bleibt also für weitere 3 Wochen in der stationären Behandlung von InThera (Einzelzimmer), nimmt teil an der täglichen Gruppenpsychotherapie sowie an zwei Einzelgespächen und drei Kunsttherapie Sitzungen pro Woche. Sie nutzt die Familienskulpturgruppe, um sich mit ihrer Familie und ihren Partnerschaften auseinander zu setzen und entwickelt eine aktive Rolle in der Kochgruppe. Die sozialen Kontakte in ihrer Therapiegruppe, die sie anfangs noch gemieden hatte, beginnt sie zu genießen.
Nach insgesamt 4,5 Wochen wechselt sie in die ambulante Kombinationstherapie (Intensivtherapie) von InThera, zu der sie anfangs zwei Mal die Woche kommt: einmal zu ihrer Gruppe, die sich jetzt dienstags von 16 – 17.30 Uhr ambulant in Groß Glienicke trifft. Ein zweites Mal zu ihrer Kunsttherapie. In der Einzelpsychotherapie (alle 2 bis 4 Wochen) bearbeitet sie die Abwertungen, die sie durch Männer erfahren hatte.
Frau Bach beginnt ihre Arbeit nach 6 Wo. wieder, zunächst reduziert nach dem Hamburger Modell, nach der 3. Woche wieder voll.
Frau Bach kommt insgesamt 1,5 Jahre in ihre Psychotherapie, die Gruppe findet seit dem 2. Halbjahr alle 14 Tage statt, die Einzelttherapie (beim gleichen Therapeuten) benötigt sie nur noch selten. Frau Bach hat ihr Misstrauen in Beziehungen bearbeitet und kann wieder eine emotionale Nähe zulassen, die sie viel zufriedener und stabiler macht.